Autor: Gast
Dabei seit: 2010-08-16
Beiträge: 120
Rang: Astonaut
Eingetragen am: 2011-09-12
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Der Flirt vor der Kreuzfahrt – Oder: Wie ich die große Liebe fand
Ja, ich bin glücklich. Ja, ich bin verliebt. Und ja, es fühlt sich gut an. Wir stehen an Deck unseres Luxus-Liners, umarmen uns und schauen auf die Ostsee. Da haben sich zwei gefunden, denke ich noch so bei mir, als sie mich küsst. Traumhaft diese Kreuzfahrt.
Angefangen hat alles vor drei Tagen, als ich mein Auto bei „Parken und Meer“ abstellte. Klar, ich freute mich riesig auf meine erste Kreuzfahrt. Von Warnemünde in den hohen Norden – eine schöne Route. Doch eins fehlte wie immer: die passende Frau. Als erfolgreicher Geschäftsmann bleibt einfach keine Zeit für die Frauensuche. Schlimm, aber Realität.
Dennoch: Mit heller Vorfreude lenkte ich meinen Wagen auf das „Parken und Meer“-Gelände in Rostock. Als ich ausstieg, bemerkte ich, dass hinter mir eine Frau fast zur gleichen Zeit mit ihrem Wagen ankam. Ich lächelte ihr zu. Und: Sie lächelte zurück. Wir schauten uns kurz in die Augen. Und ja, es funkte. Sofort. Zumindest hatte ich das Gefühl.
Nachdem die Mitarbeiter schnell und unkompliziert mein und ihr Auto übernommen hatten, stand auch schon ein Shuttle-Bus für uns bereit. Ich bedeutete der Frau, dass Sie bitte vor mir einsteigen möge. Muttis gute Kinderstube lässt grüßen. Sie bedankte sich und schenkte mir erneut ihr bezauberndes Lächeln. Und erst Ihre Stimme: Ich war begeistert. Nein, ich spürte dieses lang vermisste Kribbeln. Ja, ich war sofort verliebt in diese Frau.
Zehn Minuten sollte die Fahrt bis zum Kreuzfahrterminal dauern. Zehn Minuten, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Denn: In diesem „Parken und Meer“-Bus würde der bleibende Eindruck für immer fest zementiert. Und ich weiß, ich habe nur diese eine Chance.
Wir sitzen im Bus und ich überlege, welche Einstiegsfrage ich stellen könnte. Panik macht sich breit – schlimm. Doch dann rettet sie mich. Und ich bin wieder begeistert. Diese Frau scheint so zu ticken wie ich. „So, jetzt kann die Kreuzfahrt starten. Auto ist sicher verwahrt und die Sonne strahlt“, sagt die Frau und fragt: „Wieso starten Sie von Warnemünde und nicht von Kiel aus?“
Ich sage Ihr, dass ich als kleiner Bub mit meinen Großeltern öfters Urlaub in Warnemünde gemacht habe und ich einmal schauen wollte, wie sich das Ostseebad verändert hat in all den Jahren. Und sie lächelt schon wieder. „Genauso ist es bei mir auch“, sagt sie.
Der Shuttle-Bus passiert den Ortseingang Warnemündes, da berührt ihre Hand plötzlich meine. „An der Parkplatzsituation hat sich aber noch nicht wirklich was geändert. Parken in Warnemünde ist immer noch ein großes Problem“, sagt sie. Ich nicke und erkläre: „Parken in Kiel ist aber auch nicht die Erfüllung.“ Wir müssen beide lachen.
„Wo würden Sie denn in Kiel parken“, frage sie und weist mit dem Finger aus dem Fenster. Ich folge Ihrem Blick und sehe zum ersten Mal unser Kreuzfahrtschiff in ganzer Größe. „Keine Ahnung“, stammle ich und sage dann: „Genauso wenig weiß ich, wo ich in Warnemünde parken sollte. Doch sind das jetzt wirklich wichtige Themen?“
Sie schüttelt den Kopf, als der „Parken und Meer“-Fahrer auf die Bremse tritt und uns direkt vor dem Kreuzfahrtterminal absetzt. Wir steigen aus und atmen erst einmal die frische Ostseeluft tief ein. „Herrlich, das ist das wahre Leben“, sage ich und sie nickt und lächelt mir zu. „Lust auf einen Kaffee“, frage ich. Eine Antwort bekomme ich nicht – brauche ich auch nicht. Sie nimmt nur meine Hand. Das Leben ist schon schön verrückt.
Das war also vor drei Tagen – meine Hand liegt jetzt wieder in ihrer - hier auf der Reling. „Lust auf einen Kaffee“, fragt sie plötzlich. Eine Antwort muss ich nicht geben – auch sie versteht mein Lächeln. Ja, ich bin glücklich. Ja, ich bin verliebt. Und ja, es fühlt sich gut an.


Reiseberichte
Ägypten (11)



